Jugendbuchautor Stefan Gemmel zu Gast

Der Präsident stellte den erfolgreichen und vielfach, bspw. 2007 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Autor von Kinder- und Jugendliteratur bzw. „Lesekünstler“ (vgl. www.gemmel-buecher.de) Stefan Gemmel vor. Jörg Stadelhoff hatte ihn z.B. bei Vorlese-Weltrekorden Gemmels, die sogar mehrere Male Eintrag in das Guinness-Buch gefunden hätten, unterstützt.
Stefan Gemmel präsentierte den Mitgliedern eines seiner Bücher aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Befreiungsschlag: Der Weg aus der Gewalt“, anlässlich dessen er mit Uwe Zissener, einem Anti-Gewalt-Trainer, zusammenarbeitete. Die Publikation beruht auf Hospitationen des Autors bei realen Anti-Gewalt-Trainings (AGTs), die üblicherweise im Zusammenhang mit Bewährungsstrafen bei jugendlichen oder jungen erwachsenen Straftätern auferlegt würden. wo z. B. Wurzeln für jugendliche Gewalt eigentlich lägen. Er stellte anschließend den Protagonisten „Maik“ vor, dessen Weg durch seine Kindheit über Grundschule, weiterführende Schule usw. in die Teenagerjahre er nachzeichnete, wobei konkrete Mobbing-konstellationen um die Provokateure „Bjarne“ und „Jonas“ ins Zentrum gerückt wurden. Es folgte ein Rollenspiel mit einem Fitness-Gummiband, bei dem sich zwei – später vier – Freiwillige aus der Zuhörerschaft zur Verfügung stellten. Hierbei wurden Opfer- bzw. Täterrolle, auch Gruppendruck im Rollenspiel deutlich. Auch die Paradoxie, dass ein ehemaliges Ziel von Gewalt später selbst Mitglied der Mobbinggruppe werden könne, wurde daraufhin spür- und erlebbar.
Beim folgenden Abendessen vertieften sich die Mitglieder und Gäste des Clubs aus der Zuhörerschaft ins zwanglose Gespräch mit dem hochkarätigen Gast, der u. a. von erfahrungsreichen Vorlesereisen ins Ausland berichtete.

Vortrag von Elvis Dushimimana – Stipendiat aus Ruanda

Elvis ist seit Februar 2020 in Daun und absolviert ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ am Thomas-Morus-Gymnasium.

Müllenborn, 9. Oktober 2020: Elvis ist in der Hauptstadt Kigali geboren und stammt aus einer Familie der Mittelschicht mit vier Geschwistern und einer kleinen adoptierten Tochter. Er hat die Grundschule in Uganda (wegen der attraktiven Unterrichtssprache Englisch) durchlaufen, 2017 einen Highschool-Abschluss erworben und ein Studium in Ruanda abgeschlossen. Berufserfahrung hat er dann bei „Study Link Rwanda“, einer Bildungsberatungs- und Berufsberatungsfirma gesammelt. Daher rührt auch sein Interesse an einer ehrenamtlichen Tätigkeit in Deutschland. Er hat in Ruanda Deutsch auf Niveau A1 beim ansässigen Goethe-Institut gelernt und möchte Wirtschaft oder Internationale Beziehungen studieren, da er sich sehr für den internationalen Handel interessiert. Zum Studium will er auf jeden Fall in Europa bleiben und dann nach Ruanda zurückkehren.
In seinem Bericht über sein Heimatland, etwas größer als Rheinland-Pfalz und das Saarland zusammen ist, schildert er Grundsätzliches und Alltägliches: Von 2001 bis 2012 habe es ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 8,1 Prozent gegeben. Eine Million Menschen hätten zwischen 2006 und 2011 die Armut überwunden, z. B. mit dem Girinka-Programm, bei dem jeder bedürftigen Familie eine Kuh – ein generelles Symbol für Wohlstand in Ruanda – zur Verfügung gestellt wurde. Ruanda sei ein beliebtes Urlaubsland und attraktiver für Tourismus geworden. Ruanda sei auch mit führend in der digitalen Revolution: „Smart Kigali“. Die sich entwickelnde Gesundheitsversorgung habe eine um 10 Jahre gestiegene Lebenserwartung zur Folge, 90 Prozent der Ruander hätten nun Zugang zu einer Krankenversicherung mit den Kategorien eins (kostenlos für die Bedürftigen, „needy“) und zwei (für Studenten gebührenpflichtig mit 92 Eurocent pro Semester). Seit 2003 sei kostenlose Bildung für alle Teil der Regierungspolitik. Der letzte Samstag jedes Monats sei „Umuganda“ gewidmet, einem regelmäßigen und verpflichtenden Tag der gemeinnützigen Arbeit. Außergewöhnlich sei das seit 2007 geltende völlige Verbot von Plastiktüten. 
Neben all diesen positiven Entwicklungen gebe es für Ruanda aber auch viele Herausforderungen. Es gebe zwar heute in der öffentlichen Diskussion keine Hutu ocder Tutsi mehr, es gebe nur noch „Ruanda“ und „Ruander“. Die Versöhnung sei dennoch in Ruanda ein schwieriger Prozess.

v.li. Roman Lobüscher, Elvis - Foto: Jörg Stadelhoff

Die Börsen Europas in Zeiten der Krise

Vortrag von Dr. Johan Verschelden -

Müllenborn, 14. August 2020: Der Börsenexperte  Dr. Johan Verschelden gab einen Überblick über den Aktien- und Wertpapierhandel und skizzierte die Ursachen und Wirkungen der Börsenkrisen seit den 30er Jahren.  Hierauf ging er auf einige Wertpapiere im Detail ein. Bei Tesla und deren kürzlichem Anstieg um 500 Prozent sei das Problem, dass die Aktie mittlerweile so hoch notiert werde, dass ihr kumulierter Wert die gesamte europäische Automobilindustrie übersteige, obwohl nur der Vorsprung in Sachen Software (autonomes Fahren) reell sei. So bestünde die Gefahr, dass Tesla beispielsweise BMW und damit deren Know-how einfach aufkaufen könnte. Bei Wirecard und dem sog. „Wirecard-Skandal“ liege ein entgegengesetzter Fall vor, wo eine Aktie wegen Bilanzbetrugs auf einem absoluten Minimum angekommen ist.
Hierauf folgte ein Einblick in die Barclays Equity Gilt Study. Der Vortragende gab dann drei Ratschläge an Privatanleger (sog. Retail-Kunden). Erstens müsse die Diversifikation, d. h. eine möglichst breite Streuung der Aktienkäufe, beachtet werden, um Risiken (Verluste) abzufedern. Zweitens solle der Investitionshorizont möglichst langfristig bemessen werden können. Hier kommen Zeiträume von ab 10 Jahren in Frage. Und drittens solle das Portfolio unbedingt auch andere „Assets“ (Vermögenswerte) wie Immobilien, Edelmetalle usw. umfassen. 
Ein interessanter Abend, der Einblicke in eine komplexe Materie vermittelte. 

Fazenda da Esperança - „Hof der Hoffnung“

ein Weg junger Menschen aus der Sucht

Müllenborn, 10. Juli 2020: Larissa Lobüscher referierte über die Fazenda da Esperança (portug. „Hof der Hoffnung“).
Sie stellte die Historie und das Konzept der christlichen Suchthilfe für Jugendliche und junge Erwachsene vor. Die Fazenda-Idee, die im Wesentlichen auf einer freiwilligen selbstverwalteten christlichen Lebensgemeinschaft auf Zeit fußt, stammt aus den frühen 1980er-Jahren (1979 bis Gründung der ersten Fazenda 1983) um die brasilianische Metropole São Paulo. Im Kern geht sie auf drei Personen zurück, namentlich den deutschen Pater Hans Stapel OFM, einen seiner Schüler, den jungen Brasilianer Nelson Giovanelli Rosendo dos Santos, und den ersten „Rekuperanten“, einen drogenabhängigen Straßenjungen namens Antonio Eleutério und dessen konkreten Hilferuf an Nelson Giovanelli.
Die Referentin berichtete weiterhin über die konkrete Arbeit am Beispiel einer Frauen-Fazenda in Deutschland (Riewend, Brandenburg) und einer Fazenda in Brasilien.
Weitere Informationen: https://www.fazenda.de/ und https://portalfazenda.org/

Larissa Lobüscher